Mülheim braucht Industriearbeitsplätze

Stellenabbau bei der Friedrich-Wilhelms-Hütte ist ein Tiefschlag für den Wirtschaftsstandort Mülheim

Die Nachricht, dass der Eisengussbetrieb der traditionsreichen Friedrich-Wilhelms-Hütte nach mehr als 200-jähriger Geschichte am Standort Mülheim den Betrieb einstellt, ist ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort. Vor allem aber ist der Verlust von mehr als 230 Arbeitsplätzen ein tiefer Einschnitt für die betroffenen Beschäftigten. Sie sollen für längstens 10 Monate in eine Transfergesellschaft überführt und dort auf andere Tätigkeiten vorbereitet werden.

Das Beispiel zeigt, woran es dem Ruhrgebiet und Mülheim insgesamt fehlt: qualifizierte Industriearbeitsplätze“, sagt Dieter Spliethoff, amtierender Vorsitzender der SPD-Fraktion: „Gerade in der Metallindustrie verliert der Standort Deutschland mehr und mehr an Boden gegenüber Billiganbietern aus Schwellenländern. Dabei sollte das Beispiel Großbritanniens Warnung genug sein, welche langfristigen volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Konsequenzen es hat, wenn ein Land sich mehr oder minder vollständig von Industrie und produzierendem Gewerbe verabschiedet.“ Die aktuell bedrohliche Schieflage des einstigen Weltmarktführers Thyssen-Krupp sei da symptomatisch.

Doch auch in umweltpolitischer Hinsicht ist diese Entwicklung problematisch: Denn zum einen werde bei der Billigkonkurrenz auf dem Weltmarkt zwar für weniger Geld, dafür aber zu höheren Kosten etwa auf Seiten der Umwelt produziert. „Was wir hierzulande durch Produktionsstilllegungen an Emissionen vermeintlich einsparen, wird andernorts bei einer weltweiten Emissionsbilanz durch entsprechende Mehremissionen in negativem Sinne kompensiert“, so SPD-Umweltexperte Daniel Mühlenfeld.

Zum anderen bedeute ein weiterer Verlust gewerblich-technischer Arbeitsplätze auch einen weiteren sozialen Einschnitt. „Wenn immer mehr Industriearbeitsplätze wegfallen, haben zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine berufliche Perspektive mehr. Das kann für unsere Gesellschaft nicht gut sein“, warnt Dieter Spliethoff davor, dass das Wegbrechen beruflicher Perspektiven auch die Gefahr erhöht, dass die Demokratie als Gesellschaftsmodell an Akzeptanz verliert: „Wer das Gefühl hat, dass die Gesellschaft ihn nicht mehr braucht, der ist auch eher bereit, diese Gesellschaftsordnung infrage zu stellen.

Daher brauche es Anstrengungen, möglichst viele Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe und der Industrie zu erhalten – wenn nicht bei der FWH, dann aber vielleicht am Standort mit einem neuen Investor. „Die SPD-Fraktion appelliert an die Stadtverwaltung, sich in die Gespräche einzubringen und prüfen, wie und wo die Stadt helfen kann. Eigentlich ist dies die originäre Aufgabe eines Oberbürgermeisters, insofern ist es symptomatisch für die politische Bilanz des scheidenden Amtsinhabers, dass er auch hier seinen Amtspflichten auch nicht im Ansatz gerecht geworden ist“, fasst Dieter Spliethoff zusammen.

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